Hinweis:

Diese Meldung stammt aus dem Archiv. In archivierten Meldungen sind möglicherweise nicht mehr funktionierende Links zu anderen Websites enthalten. Die Redaktion übernimmt keine Gewähr für die Funktionalität der Links.

Ostafrika lockt Investoren aus dem Gesundheitssektor

Ostafrika lockt Investoren aus dem Gesundheitssektor

Erlangen (19.03.2014) Die Ostafrikanische Gesundheitsplattform (EAHP) ist eine Interessenvertretung des privaten Sektors, zivilgesellschaftlicher und kirchlicher Organisationen sowie anderer Interessengruppen in Ostafrika. Hintergrund für die Gründung im Jahr 2012, ist u.a. eine verbesserte und harmonisierte Gesundheitsversorgung in der gesamten Region Ostafrika. Im Februar war der Vorsitzende der EAHP, Amit Thakker, und seine Mitarbeiterin Joyce Kevin Abalo Referenten auf dem Medical Valley Summit in Erlangen und erklären in einem Interview die Ziele der Plattform. Das Interview führten Almuth Dörre (EZ-Scout) vom Außenwirtschaftszentrum Bayern (AWZ) und Diana Kraft-Schäfer (EZ-Scout) vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI).

 

Interview mit Dr. Amit Thakker und Joyce Kevin Abalo, East African Health Platform
(Interview geführt am 19.02.2014)
 
AWZ Bayern/ZVEI: Ms.  Abalo, als Koordinatorin der Ostafrikanischen Gesundheitsplattform (EAHP)  sind  Sie aktuell in Deutschland, um zusammen mit dem Vorsitzenden der EAHP Dr. Amit Thakker die Gesundheitsplattform vorzustellen und ihr Partnernetzwerk zu erweitern. Können Sie uns ein paar Fakten zum Gesundheitsversorgungsbedarf in der Region Ostafrika nennen?
 
 Joyce Kevin Abalo: In der Region Ostafrika mit ihren fünf Ländern Kenia, Tansania (ohne Sansibar), Uganda, Ruanda und Burundi leben rund 135,5 Mio. Menschen. Wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung in unserer Region ist das Eindämmen und die Kontrolle von immer noch verbreiteten Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria, HIV/ Aids, starken Durchfall- oder Atemwegserkrankungen.
 
AWZ Bayern/ZVEI: Dr. Amit Thakker, Sie sind Vorsitzender der Gesundheitsplattform in Ostafrika, außerdem selbst ausgebildeter Arzt. Darüber hinaus stehen Sie der kenianischen „Healthcare Federation (KEPSA)“ vor und haben in den Aufbau von Krankenhäusern und Krankenversicherungen in Kenia investiert. Ein beeindruckendes Tätigkeitsfeld in der Gesundheits- und Medizinbranche! Warum ist eine länderübergreifende Gesundheitsplattform für Ostafrika aus Ihrer Sicht wichtig?
 
Amit Thakker: Unsere Plattform vereint „an der Basis“ über 5.000 Mitglieder aus den fünf Partnerstaaten Ostafrikas. Dabei sind nicht alle direkte Mitglieder in der EAHP, sondern in anderen Vereinigungen und Netzwerken organisiert, die wiederum zur direkten und aktiven EAHP-Mitgliedschaft gehören. Wir sind also vergleichbar einem Kaskadensystem organisiert, was Steuerung und Kommunikation sehr erleichtert. Die Mitglieder setzen sich aus verschiedenen Akteursgruppen zusammen, darunter private Gesundheitsanbieter, staatliche und zivilgesellschaftliche Organisationen. Die EAHP wurde auf Ebene der Gesundheitsminister unserer fünf Partnerstaaten „aus der Taufe“ gehoben bzw. initiiert mit dem Zieleiner verbesserten überregionalen Integration und Harmonisierung des Gesundheitssektors und von Gesundheitsstandards in der Region Ostafrika. Patienten, Ärzte- und Fachpersonal, aber auch Investoren sollen so künftig leichter über Ländergrenzen hinweg vergleichbare Versorgungsleistungen, Arbeits-, Gestaltungs- und auch Investitionsbedingungen erhalten. Sie können dies in Ansätzen mit den Harmonisierungsbestrebungen bei Ihnen in der EU vergleichen. Es braucht also in der gesamten Region ganzheitliche Lösungen, um den Zugang der Bevölkerung zur Gesundheitsversorgung zu erhöhen, außerdem Finanzierungsmöglichkeiten von Behandlungen, ausreichend Gesundheitseinrichtungen und –dienstleistungen, und schließlich auch gemeinsame Standards zur Krankheitsprävention bereits in der Bildung und in den privaten Haushalten.
 
AWZ Bayern /ZVEI: Dr. Thakker, warum kann Ostafrika gerade für ausländische, darunter auch deutsche Anbieter von Ausstattung und Dienstleistungen zur Gesundheitsversorgung, von hohem Interesse sein? In vielen anderen Regionen der Welt wird ebenfalls aktuell in den Gesundheitssektor investiert. Die Bevölkerung nimmt vor allem in Asien, aber auch in anderen Regionen Afrikas zu und die wachsende Mittelschicht kann sich eine verbesserte Gesundheitsversorgung leisten.
 
Amit Thakker: Zunächst: Ostafrika gehört ganz klar zu den Wachstumsregionen in Afrika und weltweit. Wir haben eine jährliche BIP-Wachstumsrate von 6-7 Prozent, und dies wird sich in den nächsten Jahren so fortsetzen.  Mit einer steigenden Zahl von Konsumenten in Ostafrika steigt auch kontinuierlich der Versorgungsbedarf im Gesundheitssektor. Außerdem haben die ostafrikanischen Länder für ausländische Firmen den großen Vorteil, dass sie auf ein englischsprachiges Arbeits- und Investitionsumfeld treffen und dass ein wesentlicher Teil der Arbeits- und Fachkräfte eine gute Basisausbildung und solide Arbeitsmentalität hat. Gerade gegenüber Deutschland haben die Ostafrikaner eine sehr offene, einladende und kooperative Haltung. Und schließlich bestehen in Ostafrika unterstützende Regulierungen für den Privatsektor bzw. für Geschäftsentwicklung. Um ein Beispiel zu nennen: Als ausländische Firma können Sie sich direkt, d.h. ohne lokalen Partner, in einem der ostafrikanischen Länder registrieren. Und mit nur dieser einen Zulassung können Sie sich auch in den anderen ostafrikanischen Ländern bewegen sowie geschäftlich tätig werden.
 
AWZ Bayern /ZVEI: Lassen Sie uns trotz der vielversprechenden Bedingungen in Ostafrika auch über die Herausforderungen sprechen: Worauf muss sich eine ausländische Firma oder Institution aus der Gesundheits- oder Medizintechnikbranche einstellen, wenn Sie in Ostafrika tätig werden will?
 
Amit Thakker: Derzeit ist es noch so, dass ein großer Teil der ostafrikanischen Bevölkerung, also ca. 40-50 Prozent der Bevölkerung, noch unter  1 $ pro Tag lebt und damit auch wenig Zugangs- und Finanzierungsmöglichkeiten für eine adäquate Gesundheitsversorgung hat. Hinzu kommt die geringe Rate an Krankenversicherten in Ostafrika. Aktuell liegt diese im Durchschnitt unter 5 Prozent, wobei Ruanda mit Pflichtversicherungen für bestimmte Arbeitnehmergruppen (z.B. Beamte) eine Ausnahme darstellt und deutlich über diesem Wert liegt. Dies zeigt die Herausforderung, dass für den Ausbau unserer  Gesundheitsversorgung auch angemessene Lösungen zur Kostendeckung von Vorsorge und Behandlungen geschaffen werden müssen. Dies müssen nicht zwingend klassische Versicherungen sein. Wichtig ist außerdem, dass Finanzierungslösungen nicht mit zu hohen Kostenbelastungen für Staat und Nutzer verbunden sind. Wenn Firmen oder andere Akteure hierfür innovative Ansätze haben, fallen diese in Ostafrika sicher auf fruchtbaren Boden.
 
AWZ Bayern /ZVEI: Wenn nun ein deutscher Anbieter aus der Gesundheits- und Medizintechnikbranche nach Möglichkeiten sucht, in den ostafrikanischen Gesundheitssektor einzusteigen. Wo wären konkrete Anknüpfungspunkte für die Firma?
 
 Amit Thakker: Ausschreibungen von Gesundheitsbedarf und –infrastruktur sind natürlich für viele ausländische Firmen von Interesse. Dies gilt natürlich auch stark für chinesische und indische Anbieter, die bereits gut im ostafrikanischen Gesundheitssektor (v.a. bei Krankenhausbau und –ausstattung sowie pharmazeutischer Versorgung) vertreten sind. Jedoch gibt es hier noch „Luft“ nach oben. Deutsche Firmen finden die aktuellen Ausschreibungen für den „health sector“ direkt auf den Websites der Gesundheitsministerien der fünf ostafrikanischen Länder. Außerdem sind die zwei folgenden Zeitungen eine wichtige Quelle für „tender“, die auch online aus dem Ausland in kompletter Ausgabe bestellt werden können: Zum einen „The Nation“ aus Kenia (http://www.nation.co.ke/), sowie als überregionale Zeitung „The East African“ (http://www.theeastafrican.co.ke/). Aus unserer Sicht bieten sich für deutsche Hersteller und Dienstleister – sei es über den öffentlichen Gesundheitssektor oder bei privaten Einrichtungen (private Kliniken etc.) – vor allem Möglichkeiten für Geschäftskontakte und  -aktivitäten auf solchen gesundheitlichen Versorgungsgebieten, die besonders anspruchsvolle und ganzheitliche Lösungen verlangen. Dazu gehören beispielsweise: Solide Datenmanagementsystem für Krankenhäuser und zur Patientenversorgung, auch verbunden mit Telemedizin, außerdem Ausstattungen zur speziellen Patientenbehandlung wie Dialysezentren oder Lösungen zur sicheren Handhabung von Impfstoffen (Kühlung etc.) und nicht zuletzt Planungs- und Designleistungen, um neue Gesundheitsinfrastruktur für die ostafrikanischen Bedürfnisse zu konzipieren.
 
In jedem Fall aber steht die East African Health Plattform als Kontaktmöglichkeit und Ansprechpartner zur Verfügung, um interessierten Akteuren aus Deutschland eine erste Hilfestellung durch unser breites Netzwerk bis auf Regierungsebene zu geben. Und natürlich spielt auch die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) in Nairobi/Kenia eine große Rolle als Ansprechpartner für deutsche Unternehmen in der ganzen Region Ostafrika. Die AHK, aber auch die German Healthcare Partnership sowie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gehören u.a. in Ostafrika zu unseren wichtigen Plattform-Partnern.
 
Vielleicht bietet die von der AHK zusammen mit weiteren Partnern geplante BMWi Geschäftsanbahnungsreise „Gesundheitswirtschaft“ nach Kenia vom 24-27. Juni 2014 eine geeignete Gelegenheit für deutsche Unternehmen der Gesundheitsbranche, um sich ein Bild von Ostafrika zu machen und wichtige Geschäftskontakte zu knüpfen (http://www.traide.de/kenia-gesundheitswirtschaft). Wir als EAHP würden uns freuen, die Firmenvertreter aus Deutschland begrüßen und in Ostafrika weiter vernetzen zu können.