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Ausländisches Know-how für Indiens Wasserver- und -entsorgung gefragt

Ausländisches Know-how für Indiens Wasserver- und -entsorgung gefragt

Berlin/Neu Delhi (26.11.2014) - Der Umsatz mit Ausrüstung für die Wasserver- und Abwasserentsorgung soll in Indien bis 2016 auf über 100 Mrd. iR steigen. Industriebetriebe fragen zunehmend Dienstleistungen wie Beratung und Betrieb von Anlagen nach. Das hohe Preisbewusstsein der Kunden stellt allerdings speziell für ausländische Anbieter ein Problem dar. Darüber hinaus wirkt sich die inkonsequente Durchsetzung von Normen negativ auf die Investitionsbereitschaft vor allem kleiner Betriebe aus.

Der Bedarf an Frischwasser sowie die Menge von Abwasser steigen in Indien beständig an und stellen bereits heute ein bedeutendes Problem für die 1,3-Mrd.-Bevölkerung dar. Sowohl Grund- als auch Oberflächenwasser werden in vielen Regionen knapp, und die Qualität der Ressource nimmt weiter ab. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits 2030 die Hälfte der Nachfrage nicht mehr gedeckt werden kann. Angetrieben wird diese vom rasanten Bevölkerungsanstieg, der fortschreitenden Urbanisierung sowie dem kräftigen Wirtschaftswachstum.

Um den Herausforderungen zu begegnen, muss Indien dringend die entsprechende Infrastruktur modernisieren und ausbauen. Die Analysten von Ernst & Young gehen davon aus, dass bis 2030 Investitionen in Höhe von 130 Mrd. US-Dollar in den Sektor fließen werden. Die Industrie soll dabei kräftiger investieren als die Kommunen.

Sie steht aktuell für etwa 5 bis 8 Prozent der gesamten Frischwassernachfrage, und das Central Pollution Control Board (CPCB) geht davon aus, dass sich dieser Anteil bis 2025 auf 18 Prozent erhöht. Die von der Industrie verursachte Abwassermenge nimmt ebenfalls stetig zu. Ernst & Young geht davon aus, dass 2011 etwa 6,2 Mrd. l ungeklärtes Abwasser pro Tag generiert wurden. Größte industrielle Verbraucher sind die Wärmekraftwerke, aber auch die rasch wachsende Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die Pharmabranche, Raffinerien sowie die Textil- und Papierproduzenten haben einen hohen Wasserbedarf und müssen kräftig in Ausrüstungen für Ver- und Entsorgung beziehungsweise Recycling investieren.

Kommunale Versorgung weder qualitativ noch quantitativ ausreichend

Die Kommunen werden ihrer Aufgabe, Bevölkerung und Betrieben den Zugang zu Wasser zu gewährleisten, ebenso wenig gerecht wie der Behandlung von Abwasser. Ihre Dienstleistungen in diesem Bereich beschränken sich zudem auf die städtischen Gebiete. Entsprechend rasch steigt der Bedarf an Point-of-Entry-Systemen an. Den Umsatz mit solchen Anlagen beziffert Frost & Sullivan mit rund 3,4 Mrd. iR im Jahr 2012. Bis 2017 soll dieser mit durchschnittlich knapp 10 Prozent pro Jahr zulegen. Auf den gewerblichen Sektor entfallen dabei rund 93 Prozent der Nachfrage. Die Marktanteile von Umkehrosmose- und konventionellen Systemen sind in etwa gleich groß.

Das Wachstum des Marktes für industrielle Abwasserbehandlung wird von Branchenvertretern je nach Segment auf 5 bis 15 Prozent pro Jahr geschätzt. Obgleich der Bedarf hoch ist, wird die Entwicklung durch die mangelnde Regulierung der Abwasserbehandlung gebremst. Die gesetzlichen Vorgaben werden zwar zunehmend strenger und gelten in weiten Bereichen als ausreichend; dennoch entsprechen sie häufig noch nicht internationalen Standards. Insbesondere der Mangel an Vorschriften für das Abwasserrecycling wird kritisiert. Ein deutlich höherer Handlungsbedarf als in der Regulierung selbst herrscht jedoch in der Durchsetzung der Normen.Der Anreiz, in moderne Ausrüstung zur Behandlung von Abwasser zu investieren, ist daher begrenzt.

Die neue Regierung hat sich nun jedoch auf die Fahnen geschrieben, mehr für den Gewässerschutz zu tun und arbeitet an einer Neuauflage der "Clean Ganga Mission". Nicht nur der heilige Ganges, sondern auch andere Flüsse und Seen sollen gereinigt werden. Sowohl Kommunen als auch die Industrie könnten sich daher in den kommenden Jahren mit strengeren Auflagen und vor allem deren konsequenterer Durchsetzung konfrontiert sehen.

Abwasserbehandlung kleiner Betriebe bislang mangelhaft

An Bedeutung gewinnen dürfte der Markt für Kleinkläranlagen (Packaged Wastewater Treatment Plants), dessen Volumen Frost & Sullivan für das Jahr 2012 mit rund 1,6 Mrd. iR bezifferte. Die Marktforscher rechnen für den Zeitraum bis 2017 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp 13 Prozent, angetrieben vor allem vom Bedarf der Industriebetriebe.

Vom wachsenden Geschäft mit Wasser und Abwasser profitieren sowohl die Hersteller von Ausrüstung als auch Firmen, die die Planung, den Neubau oder die Modernisierung bestehender Anlagen übernehmen. Da immer mehr Industriebetriebe dazu übergehen, ihre Wasserver- und Abwasserentsorgung beziehungsweise -wiederverwertung an Dritte auszulagern, ergeben sich auch für entsprechende Dienstleister im Bereich des Betriebs von (Gemeinschafts-) Anlagen sowie der Beratung zunehmend Geschäftschancen. Einzelne privatwirtschaftliche Build-Operate-Transfer-Projekte gibt es in Indien inzwischen ebenfalls.

Preisbewusste Kunden machen ausländischen Anbietern das Leben schwer

Lokale Firmen sind beim Bau und Betrieb gut aufgestellt und bieten in der Regel günstiger an als die ausländische Konkurrenz. Internationale Firmen, die oft qualitativ hochwertigere, aber auch kostenintensivere Lösungen anbieten, haben mit dem hohen Preisbewusstsein lokaler Kunden und der Tatsache, dass diese zum Teil nicht die Kosten über den gesamten Lebenszyklus hinweg betrachten, zu kämpfen. Bei großen Anlagen und solchen für besondere Anforderungen können sie jedoch häufig mit einem Know-how-Vorsprung punkten.

Auf dem Markt für Ausrüstungen sind indische Anbieter ebenfalls gut aufgestellt. Deren Preisvorteil gegenüber importierter Technik liegt laut Branchenschätzungen zwischen 30 und 50 Prozent. Dennoch sind zahlreiche ausländische Hersteller mit Vertretungen oder eigener Fertigung präsent. Um den Preis ihrer Produkte rechtfertigen zu können, müssen sie neben einer deutlich erkennbar höheren Qualität auch einen sehr guten und schnellen After-Sales-Service bieten können.

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(Quelle: GTAI)